Editorial: Georges Merenz 10/2019
Editorial: Georges Merenz 10/2019
EDITORIAL 10/2019
Luxtram
Erster Kollektivvertrag bei Luxtram SA
Am 3. Oktober 2019 gaben die Sozialpartner OGBL und FNCTTFEL-Landesverband sowie Luxtram SA in einer gemeinsamen Pressekonferenz die Unterschrift des 1. Kollektivvertrages für die Belegschaft der Tramgesellschaft bekannt.
Nach zwei Jahren, anfangs jäher Verhandlungen, sei zu erinnern, dass wir als Landesverband zuerst vor verschlossenen Türen bei Luxtram SA standen. Erst als wir per Pressemitteilung dieses Verhalten der Generaldirektion von Luxtram SA verurteilten, wurde unseren Ersuchen nachgekommen. Ebenso, liessen wir uns ab diesem Moment bei unserer Kollektivvertragsforderung tatkräftig von unseren Kollegen des OGBL unterstützen.
Hier stellt sich zuerst die Frage wieso der luxemburgischen Staat und die Gemeinde der Stadt Luxemburg als Hauptaktionäre überhaupt eine private Tramgesellschaft gründeten obwohl diese ausschließlich im öffentlichen Dienst tätig ist und von Steuergeldern finanziert wird. Diese politische Entscheidung bestätigt wiederum den liberalen Privatisierungskurs der Regierung, welcher ebenfalls bereits bei der Postreform Einzug hielt.
Welche öffentliche Betriebe werden dieser profitorientierten Logik noch folgen? Dieses Privatisierungsbestreben der neoliberalen Kräfte werden wir weiterhin gemeinsam mit unserem Partner OGBL bekämpfen und aufhalten müssen.
Mit eiserner Entschiedenheit setzten wir uns mit der Forderung nach einem Kollektivvertrag für die Mitarbeiter von Luxtram SA ein. Erst nachdem wir ein Schlichtungsverfahren eingeleitet hatten und sogar eine Protestaktion beim Eröffnen des zweiten Teilstückes der Tram organisierten, lenkte die Direktion von Luxtram SA ein. Endlich lag nach zwei Jahren ein akzeptabeler Vorschlag für einen 1. Kollektivvertrag auf dem Tisch der den wichtigen sozialen Forderungen nachkam.
Die Frucht dieses Kollektivvertrages mündet in einer globalen 4 prozentigen Lohnerhöhung und der Einführung eines 13. Monatsgehalts das durch eine 8,5 prozentige monatliche Lohnerhöhung ausbezahlt werden wird. Desweiteren werden je nach Alter insgesamt mehr Urlaubstage gewährt (d.h. insgesamt 28 Tage bis 50 J., 30 Tage von 50 bis 54 J. und 32 Tage ab 55 J.) sowie die Einfürung einer Essenszulage von 12€ pro geleisteter Arbeitstag vergütet. Schlussendlich beinhaltet der Kollektivvertrag ebenfalls Verbesserungen in Punkto Prämien.
Auch die von uns heftig angeprangerte Gesamtschichtdauer der Tramfahrer von anfangs 13 Stunden wurde auf 10 Stunden gekürzt. Allerdings kann diese durch unvorhersehbare und zwingende Vorkommnisse auf bis zu 13 Stunden verlängert werden. Dieser Kompromiss wird unsere Personaldelegation bei Luxtram SA natürlich genauestens im Auge behalten damit diese Ausnahmeregelung nicht zum Alltag werden wird.
Besonders wichtig ist auch der durch den Kollektivvertrag geregelte soziale Gewinn der Tramfahrer, welche bisher deutlich unterbezahlt waren, hervorzuheben. In der Tat wird dieser Beruf durch eine Erhöhung von der Besoldungsstufe 2a in die Stufe 3a aufgewertet werden. Diese Lohnerhöhung ist mehr als gerechtfertigt und wird ebenfalls eine Signalwirkung auf ähnliche Berufszweige haben.
Die Laufzeit des aktuellen Kollektivvertrages ist auf 36 Monate ausgelegt, mit rückwirkender Auszahlung sowie aller anderen Verbesserungen beginnend ab dem 1. Januar 2019. Da dieser Kollektivvertrag ein erster Wurf ist und am 31. Dezember 2021 endet, werden wir in gut einem Jahr wieder mit den Verantwortlichen der Tramgesellschaft Luxtram SA gemeinsam am Tisch sitzen um eine zweite Auflage auf Basis des aktuellen Kollektiv-vertrages auszuhandeln.
Es wird sich zeigen ob der aktuell gute erarbeitete soziale Dialog für die nächsten Verhandlungen Bestand haben wird.
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Editorial 102019
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