Editorial: Georges Merenz 07/2020
Editorial: Georges Merenz 07/2020
Die Nach-Corona Welt
Wir sind noch immer voll in der -COVID-19 Krise. Die erste Welle ist vorbei, jetzt gilt es die Pandemie in den Griff zu bekommen. Knapp wurde der komplette Lockdown seitens der Regierung aufgehoben, schon hören wir täglich nichts Gutes durch Nachrichten über viele Neuansteckungen. Partys werden organisiert, die Schutzregeln wie Maskenpflicht werden heruntergespielt und wir sind es alle leid unser Leben nach dem COVID-19 zu richten. Die eigene Ansteckungsgefahr wird ebenfalls verdrängt wie es die aktuellen Zahlen von Neuansteckungen belegen.
Der Beschluss der Regierung, massive Tests bei den Einwohnern sowie den Grenzgängern durchzuführen, können wir als Landesverband nur begrüßen und als einzig richtige Entscheidung deuten. Hier geht es vor allem darum, die Träger des Virus zu ermitteln und zu isolieren. Deshalb unser Aufruf an uns alle, sich testen zu lassen. Jeder von uns muss seine Verantwortung dazu beitragen diese Pandemie in Zaum zu halten.
Der Arbeitsalltag hat sich für viele von uns durch die Krise verändert. Arbeiten von zu Hause, ein Thema welches vor der Corona Krise bekannt war, aber hierzulande kaum genutzt wurde, ist heute zum Topthema in der Arbeitswelt geworden und wird nicht mehr wegzudenken sein. An der Umsetzung dieser Arbeitsmethode für die Nach-Corona Zeit wird noch gefeilt. Bei den CFL haben die Gewerkschaften zusammen mit der RH Direktion einen hervorragenden Entwurf ausgearbeitet. Die Flexibilität und der ökologische Punkt sind die Hauptaspekte des sogenannten « Télétravail ».
Dies ist einer der seltenen positiven Punkte der Corona-Krise. Leider gibt es im Gegenzug dazu erschreckend viele negative Punkte zu beklagen.
COVID-19 hat neben der sanitären Krise auch eine noch nicht überschaubare ökonomische Krise hervorgerufen. Nicht wenige Bertriebe werden diese Krise wahrscheinlich nicht überleben und müssen Insolvenz beantragen. Mittlere und Großbetriebe werden auch ums Überleben kämpfen müssen und viele Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Die Arbeitslosenzahlen steigen bereits jetzt täglich an, dazu kommt, dass viele geplante Neueinstellungen nicht getätigt werden. Fazit dieser Entwicklung ist besonders ein erschreckender Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit.
In der vom OGBL mit Nachdruck geforderten „Tripartite“ wurde seitens der Regierung weitere Hilfen versprochen. Zusätzlich zu den Hilfeleistungen die sich vorrangig an Betriebe in Not wenden, wird der luxemburgische Staat neue Arbeitsstellen schaffen um einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu dämpfen. Natürlich begrüßen wir diese Entscheidung der Regierung, jedoch müssen noch weitere Schritte folgen damit es wie anfangs zugesichert nicht doch noch zu Corona bedingten Entlassungen kommt. Die Regierung steht jetzt vor einer ihrer größten Aufgaben um eine soziale Krise zu verhindern.
Auch der Frachtbereich mit CFL cargo ist durch die Corona Krise in arge Bedrängnis geraten. Während des Lockdowns ist ein Großteil des Güterschienentransportes ausgefallen. Bei CFL cargo musste Teilzeitarbeit eingeführt werden, dies dank der sozialen Verantwortung der jeweiligen Direktionen glücklicherweise ohne Lohnverlust für die Betroffenen. Die Hoffnung, dass der Güterschienenverkehr nach dem Lockdown wieder massiv anziehen würde, konnte sich bisher leider nicht bewahrheiten. Schlimmer noch wiegt, dass eine Hiobsbotschaft buchstäblich die nächste jagt!
Die Generaldirektion von Guardian entschied sich Luxguard-1 und Luxguard-2 zu fusionieren und den Glasofen in -Düdelingen zuschließen. Was wird mit dem Personal aus Düdelingen geschehen? In erster Linie gilt es einen So-zialplan zu verhindern. Darüber hinaus betrifft eine solche Entscheidung logischerweise sämtliche Zulieferfirmen! Für CFL cargo bedeutet dies, dass Zugleistungen nach Düdelingen wegfallen und die für den Standort Bascharage durch eine mögliche Schließung 2022 ebenfalls auf dem Spiel stehen werden. Einer der Schiene historisch verbundener Kunde des Gütertransportes würde dann hierzu lande nicht mehr existieren. Generell sei auch zu befürchten, dass Arbeitgeber die aktuelle Krise dazu nutzen Sanierungspläne zwecks Gewinnoptimierung aus ihrer Schublade ziehen.
Es soll aber noch ärger kommen. -Arcelor-Mittal hat der Generaldirektion von CFL cargo angekündigt, dass sie in naher Zukunft einen Großteil des Gütertransportes per Schiene streichen würde. Dies aus wirtschaftlichen Gründen, da verringerte Aufträge diese Maßnahme erfordern würden. Wir werden natürlich darauf achten, dass dies nicht nur ein Vorwand ist um den Transport von der Schiene auf die Straße zu verlegen um noch mehr Profit herauszuschlagen. Wir sind diesbezüglich auch schon beim Transportminister Francois Bausch vorstellig geworden, um ihm unsere Befürchtungen vorzulegen und die Regierung in die Pflicht zu nehmen sowie falls es nötig wäre, dies zu unterbinden. Eine solche Vorgehensweise dürfte sicherlich nicht den auf die Flagge geschriebenen ökologischen Herausforderungen entsprechen.
Diese Ankündigung bringt CFL cargo in eine ganz prekäre Lage. Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Als einzige Möglichkeit einen Sozialplan mit der Gefahr von Entlassungen bei CFL cargo zu vermeiden sah die Direktion darin, die ausgeliehenen Mitarbeiter von Arcelor-Mittal und CFL wieder in ihre Mutter-Gesellschaften zurückzuführen. Übrigens bestätigt sich auch hier der Schritt zur Bündelung gewerkschaftlicher Kräfte mit dem OGBL da hierdurch die Interessen der gesamten Belegschaft von CFL cargo verteidigt werden können.
Eine schwere Entscheidung die dort getroffen wurde. In der Tat haben diese Mitarbeiter seit Jahren hervorragende Dienste geleistet und beim Aufbau von CFL cargo geholfen. Dies sind sich die Verantwortlichen auch voll bewusst und zeigen ihre Anerkennung dafür, nichtsdestotrotz wurde dieser Modus Operandi dringendst beschlossen.
Jetzt gilt es diese Kollegen auf angemessene Posten bei den CFL zurückzuführen. Jeder einzelner wird zu einem persönlichen Gespräch bestellt werden um zusammen mit den Verantwortlichen über die individuelle Zukunft bei der Bahn zu diskutieren. Verständlicherweise ist eine solche Entscheidung für die Betroffenen ein großer Einschnitt in ihr gewohntes Berufsleben und viele werden dieser Herausforderung möglicherweise kritisch entgegensehen. Der Landesverband wird falls nötig, den Kollegen zur Seite stehen, sollte kein angemessener Arbeitsplatz gefunden werden. Aufgrund der Rücksprache mit der CFL RH-Abteilung, sind wir jedoch überzeugt, dass sie ihr Möglichstes tun wird.
Jedenfalls steht CFL cargo vor ihrer größten Herausforderung. Nämlich verlorengegangene Aufträge bei neuen Kunden sowie Alternativen zu Arcelor-Mittal suchen um den Gütertransport auf der Schiene aufrecht zu erhalten und weiter auszubauen und um schlussendlich kein Opfer der Corona--Krise zu werden.
Georges MERENZ
Präsident
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