Editorial:Georges Merenz 11/2020 Schnelle Tram !
Editorial:Georges Merenz 11/2020 Schnelle Tram !
Schnelle Tram !
Die ganze Welt ist dabei die Mobilität neu zu definieren, um Menschen dazu zu bewegen vom Individual-Verkehr auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen. Auf Initiative der europäischen Kommission wurde der Green Deal ins Leben gerufen, um Europa bis 2050 fit für eine klimaneutrale Bilanz zu machen. Auch Luxemburg ist seit den letzten Jahren sehr aktiv auf dieser grünen Schiene. Neue Fahrradwege entstehen in Ortschaften und sogar darüber raus um nahegelegene Nachbargemeinden per Fahrrad miteinander zu verbinden, dies alles um die sogenannte „Mobilité douce“ zu fördern. In der Hauptstadt wurde eine innerstädtische Trambahn gebaut, am 13. Dezember dieses Jahres wird das langersehnte Teilstück zum Hauptbahnhof eingeweiht werden. Eine Standseilbahn, auch noch „Funiculaire“ genannt, wurde von der nationalen Eisenbahngesellschaft gebaut, um die Haltestelle Kirchberg mit der Trambahn zu verbinden. Dort können Reisende von der Eisenbahn-Nordstrecke ungehindert auf die Trambahn umsteigen. Neues Bahnmaterial wurde bestellt, die dazugehörige Werkstatt ist ebenfalls in Planung. Das immer erweiterte Angebot im öffentlichen Verkehr trägt dem Green Deal Abkommen sicherlich Rechnung.
Das Rückgrat der Mobilität im Lande ist natürlich das nationale Eisenbahnnetz. Das Angebot wird zurzeit durch den Ausbau und Verdoppelung der Zugstrecke Bettemburg – Luxemburg wesentlich verbessert werden. Seit Jahren fordert der Landesverband nach zusätzlichen neuen sowie wieder in Betrieb zu nehmende stillgelegte Trassen, um mehr Einwohnern den Zugang zum nationalen und internationalen Schienennetz zu ermöglichen. Eine direkte Zugstrecke zum nationalen Flughafen, ebenfalls eine langjährige Forderung unsererseits, ist bisher nicht gebaut worden. Dort wurde sogar ein unterirdischer Bahnhof gebaut, welcher jetzt zweckentfremdet wird, warum eigentlich? Die Nutzung der Eisenbahnstrecke Ettelbrück – Schieren – Colmar/Berg – Bissen durch den Personenverkehr käme dem öffentlichen Transport doch sehr zugute. Befindet sich unter anderem der Bahnhof -Colmar/Berg direkt gegenüber einem großen Schulkomplex sowie einer Badeanstalt welche auch von den Gemeinden Ettelbrück, Schieren und Bissen finanziell mitgetragen wird, und von dessen Einwohnern viel genutzt wird. Man hätte über diese Strecke direkten Zugang zu den Bahnstrecken nach Diekirch, Ulflingen, sogar -Lüttich und zur Hauptstadt. Eine weitere Forderung, der Bau einer neuen direkten Eisenbahnstrecke von Esch-sur--Alzette nach Luxemburg, wurde durch eine diesbezügliche Studie vom damaligen Mobilitätsministe-rium als durchaus erwägenswert betrachtet. Jedoch ist die Entscheidung des aktuellen Ministeriums zugunsten des Baus einer schnellen Tram zwischen der Minettemetropole und der Hauptstadt, kürzlich durch einen stolzen Transportminister François Bausch im Detail verkündet worden. Obwohl uns als Landesverband eine direkte Zuglinie lieber gewesen wäre, begrüßen wir jedes neue geschaffene öffentliche Personen-Transportmittel. Hier ergibt sich dann gleich die Überlegung nach einer zusätzlichen Süd-Tram um dann das Tramnetz flächendeckend weiterzubauen.
Für uns als OGBL/Landesverband ist jedenfalls wichtig, dass diese schnelle Tram nie in Konkurrenz mit der nationalen Eisenbahn stehen darf und somit stellt sich unweigerlich die Frage nach dem Erbauer und Betreiber dieser Trambahn. Eine schnelle Tram welche technisch und legal gesehen einem ordentlichen Eisenbahnsystem nahe kommt, kann also nur durch eine Gesellschaft gebaut und betrieben werden, welche über dieses spezifische Know-how verfügt. Da kommt aktuell nur eine einzige in Frage, nämlich die nationale Eisenbahngesellschaft CFL.
Wir werden keine weitere Privatisierung eines neuen schienengebundenen Verkehrsbetriebes hinnehmen, übrigens sollte auch die Luxtram SA Gesellschaft zur CFL-Gruppe gehören. Ich erinnere an dieser Stelle an die anfänglichen Schwierigkeiten bei Luxtram SA, einen Kollektivvertrag abzuschließen, obwohl diese sich, durch den luxemburgischen Staat und der Stadt Luxemburg als Aktionäre, in öffentlicher Hand befindet. Durch unseren unermüdlichen Einsatz erreichten wir einen ersten guten Kollektivvertrag bei Luxtram SA, in welchem aber noch viel soziale Luft nach oben ist.
Die Entscheidung der Regierung, einen flächendeckenden gratis öffentlichen Transport ab letzten März einzuführen, bestärkt uns ebenfalls in unserer Forderung, dass der gesamte Schienentransport bei der CFL-Gruppe angesiedelt sein muss.
Gleichzeitig, mit der Vorstellung der neuen schnellen Tram, kam aber die für uns unverständliche Ansage den Personentransport auf der Zugstrecke Esch-sur-Alzette – Audun-le-Tiche einzustellen. Diese Entscheidung, sich der Zugstrecke zu entledigen, welche hauptsächlich von rund 800 französischen Pendlern werktags von Audun-le-Tiche zur Hauptstadt genutzt wird, ist definitiv nicht nachvollziehbar und inakzeptabel. Darauf braucht nun wirklich niemand stolz zu sein! Anstelle, sofern die Verdoppelung der Zugstrecke Bettemburg – Luxemburg fertiggestellt ist, in den Spitzenstunden direkte Züge von Audun-le-Tiche nach Luxemburg anzubieten, müssten Pendler auf einen sogenannten Superbus umsteigen um zuerst nach Esch-sur-Alzette zu gelangen, um von dort auf die Eisenbahn oder die schnelle Tram umzusteigen und müssten gegebenenfalls erneut auf der Cloche d’Or umsteigen. Solche Fehlentscheidungen können wir absolut nicht nachvollziehen. Riskieren wir hier nicht, dass die Pendler lieber wieder zum Individual-Verkehr zurückgreifen. Natürlich stellen wir uns nicht gegen neue Buslinien in neuen Wohnvierteln, sofern diese als Zubringerdienst zur Eisenbahn geschaffen werden.
Der OGBL/Landesverband wird sich jedenfalls vehement gegen jegliche Schließung einer Eisenbahnlinie einsetzen. Sicherlich vertreten wir nicht alleine diese Meinung und werden uns mit allen gewerkschaftlichen Mitteln gegen die Schließung der Zug-linie Esch-sur-Alzette – Audun-le-Tiche wehren.
Deshalb unsere konkrete Forderung an das Transportministerium und ihre Mobilitätsspezialisten, anstelle der Schließung dieser und eventuell weiterer Zuglinien, diese mit in das Verkehrskonzept einzubinden und als ausbaufähiges Bestandteil dieses Konzeptes zu nutzen. Gemeinsam mit einer zufriedenen Kundschaft würden wir ihnen jedenfalls für eine gute Arbeit an dieser Stelle gratulieren!
Georges MERENZ
Präsident
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Edito 112020
22.50 Ko
