Sektor öffentlicher Dienst - Geschichtliches
Am 20. April 1963 wurde die Hauptberufsgruppe Staats- und Gemeindebeamte im Landesverband gegründet. Seitdem entwickelt der Sektor Öffentlicher Dienst sich als Triebfeder innerhalb des Landesverbandes. Sein Einsatz ist heute zu einem wichtigen Pfeiler für die öffentlichen Dienstleistungen und dessen Personal geworden.
Schon Anfang der 60er Jahre hatte der Landesverband (damals noch unter dem Kürzel FNCTL firmierend), ob einer Vielfalt mittlerweile vertretener Berusfssparten, die Notwendigkeit des Aufbaus von Hauptfachgruppen erkannt. Finalisiert wurde diese Erkenntnis durch die am 20. April 1963 verabschiedeten neuen Verbandsstatuten, die den neuen Gegebenheiten Rechnung trugen. Der Landesverband wurde durch denselben Beschluß in FNCTTFEL (Fédération Nationale des Cheminots, Travailleurs du Transport, Fonctionnaires et Employés Luxembourg) umgetauft.
Aus plausiblen Gründen: Schon seit dem deutschen Einmarsch waren die bisherigen, privaten Eisenbahngesellschaften Guillaume Luxemburg, Prinz Heinrich und CVE (Chemin de fer à Voie Etroite-Schmalspurbahnen) unter einer gemeinsamen Verwaltung zwangsfusioniert worden. Die erste Nachkriegsregierung der "Nationalen Union (CSV, LSAP, KPL, Groupement Démocratique) entschied sich für die Beibaltung dieser Formel, woraus durch Gesetz vom 4. Juni 1947 die unter öffentlich-rechtlichen Regime betriebene "Société Nationale des Chemins de Fer Luxembourgeois" wurde. Artikel 11 der Konvention machte den Luxemburger Staat zum Träger aller Lasten und Verluste; die eigentliche Assimilierung der Eisenbahner an die Staatsbeamten sollte, nach einem Streik am 11. Oktober 1949, 1951 ins Regierungsprogramm der neuen CSV-LSAP-Regierung eingeschrieben werden. Folgerichtig - und nachdem sich eine immer größere Zahl von Staatsbeamten im Landesverband organisierten - ging man in Richtung einer Gewerkschaft, die neben den Eisenbahnern auch die übrigen Sektoren des öffentlichen Dienstes, lies Staats- und Gemeindebeamte umfassen sollte.
Erster Präsident der neugegründeten Hauptberufsgruppe war Jos Wohlfahrt, Anlaufschwierigkeiten kannte die neue HBG genug. Ein dicker Brocken, der die junge HBG schon vor ihrer statutarischen Gründung beschäftigte, war die große Gehälterrevision von 1963, die im Votum des Gehältergesetzes vom 22. Juni 1963 gipfelte, einem sozialen Meilenstein in der Entwicklung der Gehälterpolitik im gesamten öffentlichen Sektor, woran der Landesverband seine Vorschläge maßgeblich einbrachte. Angesichts der Zersplitterung der anderen Verbände vor allem beim Staat, wo nahezu jede Berufsgruppe ihre eigene Organisation hatte, ergänzt durch einen anderen Verein auf der Ebene der jeweiligen Verwaltungen, fiel dem Landesverband als straff organisierter Gewerkschaft bei der großen Gehälterrevision eine tragende Rolle zu. Die Gemeinsamkeit der Interessen von öffentlichen Bediensteten und Eisenbahnern wurde im Landesverband durch die beiden Hauptberufsgruppen zementiert. Die CGFP schließlich wurde erst am 30. November 1967 aus der Taufe gehoben und stellte von Anfang an ein unkohärentes Sammelbecken der vorerwähnten, nach Karrieren wie auch nach Verwaltungen, zusammengewürfelten Kleingruppierungen dar, wo bis zum heutigen Tag jeder jedem seine Rechte neidet. Da hilft auch alles Schönreden nichts.
Von den Anlaufschwierigkeiten...
Ein anfänglicher Stolperstein im Werdegang der neuen HBG war die Miteinbeziehung der Trambahnervereinigung, die statutarisch gesehen zum einen der HBG Eisenbahner angehörte, zum andern aber auch - da es sich um Gemeindebeamte handelte - der neuen HBG zugerechnet werden mußten. Doch mit der Abschaffung der Trambahn, kamen die Aktivitäten dieser Vereinigung nach und nach zum Erliegen. Den Brückenschlag zur Gründung der Sektion AVL am 22. Mai 1970 bildete letzendlich die HBG, die, das sei hier dankend vermerkt, auf ihre Mitglieder bei den AVL als solider Grundpfeiler zurückgreifen konnte.
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Aufstellung der ersten eigenen Liste des Landesverbandes im Gemeindesektor für die Wahlen vom 6. März 1965 zur Berufskammer der öffentlichen Bediensteten. Die Liste erhielt auf Anhieb ein Drittel der Stimmen der Gemeidenbeamten, was nicht zuletzt auch einem Bedürfnis nach "freien Gewerkschaften für Staat und Gemeinden", einer der Lösungen von damals, entsprach. Das Verhältnis zwischen AVG (Allgemeiner Verband der Gemeindebeamten, heute FGFC) und Landesverband war schon damals nicht das Beste: hier eine obrigkeitshörige, zudem noch korporatistische Vereinigung; in der sich die Angehörigen der einzelnen Berufsgruppen nicht grün waren, da eine starke Solidargemeinschaft von Gleichgesinnten, die vor allem die berufliche und pekuniäre Verbesserung der niedrigen und mittleren Einkommensgruppen einforderte und resolut für bessere Anfangsgehälter eintrat, um nur dies zu erwähne. Unvergessen ist der - schließlich erfolgreiche - Kampf der HBG im Interesse der Handwerker (Gleichstellung des CAP mit dem Abschlußdiplom der Handwerkerschule -1965), Reduzierung der Stagezeit aller Gemeindebeamten von 3 auf 2 Jahre, 1965 usw. usf.
... zur dynamischen Triebfeder innerhalb der FNCTTFEL
Bezeichnend ist immerhin die Tatsache, daß 1965 "Trambahner"-Kollege André Linden für den Landesverband in die "Chambre Prof" einzog. Als Forderungen trug 1966 der erste Präsident der HBG Staats- und Gemeindebeamte, Jos. Wohlfahrt die Forderung der Einführung der 5-Tagewoche als Etappe auf dem Weg zur 40 Stundenwoche unter Miteinbeziehung der gesamten öffentlichen Sektors (damals beileibe keine Selbstverständlichkeit) auf dem Kongreß des Landesverbandes vor. Hervorzugheben ist ausserdem die intakte Zusammenarbeit mit einer noch ungespalteten, aber eindeutig salariatsfreundlichen LSAP und das Entgegenkommen der Minister Bousser, Cravatte und Krier, was wesentlich zur Durchsetzung wichtiger Errungenschaften beitrug.
Die rege Aktivität der HBG, aber nicht zuletzt die mustergültige Zusammenarbeit der einzelnen Berufssparten innerhalb der HBG und die straffe Organisation des Landesverbandes insgesamt mit kohärenten Forderungen (neben Punktwerterhöhung neue Gehälterrevision, 40-Stundenwoche, Feriengeld usw tauchten auch berufsspezifische Forderungen auf für die Autobusfahrer, die Handwerker, die Feuerwehrleute, das administrative Personal) trugen im Wesentlichen zum Aufschwung der noch jungen HBG bei.
Die Busfahrer von AVL und TICE forderten in den sechziger Jahren eine Anlehnung ihrer Pensionsbestimmungen an jene von Polizei und Berufsfeuerwehr.
Gewerkschaftsintern wurden die Strukturen durch die Schaffung von Berufssektionen gefestigt.
Die Hauptberufsgruppe Staats- und Gemeindebeamte, welche inzwischen im Sektor öffentlicher Dienst umbenannt wurde, hat sich besonders beim Kampf zur Verteidigung der Pensionsrechte der öffentlichen Bediensteten besonders hervorgetan. Dies sowohl beim Perequationsstreik am 15. Dezember 1995 als auch beim Generalstreik des gesamten öffentlichen Sektors am 21. Juli 1998. Dabei wurde den öffentlichen Beamten Kürzungen aufgezwungen und für die Kollegen/innen, welche nach dem 1.1.1999 eingestellt werden, wurden die Sepzialregime abgeschaft. Dennoch konnten wir doch eine Bremse gegenüber den urpsrünglichen Kürzungsplänen der Regierung einlegen. Aussersdem sind Pensionsverbesserungen und die Weidereinführung der Spezialregime konkrete Forderungen, von denen wir nicht ablassen.
Der Sektor öffentlicher Dienst hat die Verteidigung und den Ausbau von guten öffentlichen Diensten auf seine Fahnen geschrieben. Der Aufbau einer lebenswerten Gesellschaft, in der für jeden Bürger dasselbe Recht auf effiziente und qualitativ hochwertige öffentliche Dienstleistungen garantiert und auch verwirklicht wird, ist nur dann möglich, wenn der Staat über genügend, motivierte und und gut ausgebildete Bedienstete verfügt.
Das öffentlich-rechtliche Statut ist ein Garant für neutrale und effiziente öffentliche Dienste. Es ist kein Relikt aus vordemokratischer Zeit, sondern eine soziale Errungenschaft mit Rechten und Pflichte, welche wir mit allen Mitteln verteidigen werden.
Durch die Organisierung im Landesverband wurde vieles erreicht. Doch es bleibt noch viel zu tun. Packen wir's gemeinsam an.
