Staat: Der schleichende Sozialabbau
Staat: Der schleichende Sozialabbau
Am 25. Febraur 2011 hat die Sektion Staat des Landesverbandes ihr erstes Info für dieses Jahr veröffentlicht.
Darin geht es um Sozialabbau, Gehälterreform, Verwaltungsreform, Arbeitszeitkonten, ein neues Logo und Informationen zu den Leistungen des Landesverbandes ...
Hier das integrale Info zum Herunterladen und Ausdrucken ...
Editorial, Fernand Schiltz: Der schleichende Sozialabbau
Liebe Leserinnen, liebe Leser, wenn ich Ihnen in diesen Zeilen über eines meiner Hobbies, die Fotografie, berichte, so fragen Sie sich bestimmt, was dies mit unserer gewerkschaftlichen Arbeit zu tun hat. Mehr, als Sie vielleicht glauben!
Abbau von Arbeitsplätzen
In den 90er Jahren bezog ich meine gesamte Fotoausrüstung aus einem Fachgeschäft in der Stadt Luxemburg. In diesem spezialisierten Geschäft wurde ich von freundlichem Fachpersonal (3 Männer und 2 Frauen) sehr gut beraten und meinen fotographischen Bedürfnissen nach ausgerüstet. Nach einigen Jahren wurde das Personal der Firma auf 2 Arbeitnehmer reduziert. Ich musste in besagtem Geschäft meine Filme selber beschriften und zur Entwicklung abschicken. Informationen über Neuheiten in der Fotographie konnte ich über Internet im Geschäft selber abrufen. Ein Jahr später wurde dass Fachgeschäft ganz geschlossen und nur ein Mitarbeiter wurde von einer Filiale auf der grünen Wiese übernommen. Aus 5 wurde 1. Der Kunde wurde gebeten, seine Bestellungen integral übers Internet zu tätigen - das wäre billiger, als sich im Geschäft beraten zu lassen. Ich musste also fortan auf eine persönliche und gut funktionierende Beratung mit positiven zwischenmenschlichen Kontakten verzichten.
Im gleichen Zeitraum starteten die einheimischen Bankengesellschaften eine Werbekampagne, mit der sie ihre Kundinnen und Kunden überzeugen wollten, all ihre Bankgeschäfte soweit wie nur möglich von zuhause aus über Internet zu tätigen. Ziel war hier ebenfalls ein Abbau der Personalkosten (Schalterbeamtinnen und -beamten) auf Kosten zwischenmenschlicher Beziehungen und gesicherter Einkommensstrukturen.
Dieser schleichende Abbau von Arbeitsplätzen trotz steigender Bevölkerungszahlen und hoher Jugendarbeitslosigkeit wird konsequent von Arbeitgeberseite weiter betrieben, deren Interessen eindeutig die einseitige Profitvermehrung und die damit verbundenen persönlichen Vorteile sind. Trendschlagwörter wie Flexibilität und Liberalisierung, welche gebetsmühlenartig immer wieder wiederholt werden, passen gut in dieses Gesamtkonzept.
Abbau von sozialen Rechten
Gleichzeitig werden in allen Arbeitsbereichen Gehälterverhandlungen und notwendige Reformen im Interesse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf die lange Bank geschoben, um dann in Krisenzeiten dem Rotstift zum Opfer zu fallen. Sozialabbau statt Ausbau ist die Reaktion auf die von den Arbeitnehmern/innen nicht verschuldeten Krise. Auch die neuesten positiven Nachrichten aus der Wirtschaft, mit deutlichen Gewinnen und steigenden Wachstumszahlen, sollen an der eingeschlagenen Marschrichtung der Arbeitgeber und des Finanzministers nichts ändern.
Auf dem ordentlichen Landeskongress des Verbandes am 23. Oktober 2010 im Casino de Bonnevoie verdeutlichten der Präsident des Landesverbandes, Guy Greivelding, sowie der Präsident des OGB-L, Jean-Claude Reding, die aktuelle Situation.
Den Gewerkschaften sind die politischen Alliierten flüchtig gegangen. Politikerinnen und Politiker, die sich eindeutig für den Erhalt und den Ausbau der Rechte der Arbeitnehmer/innen aussprechen, können an einer Hand aufgezählt werden. Umso wichtiger ist eine solidarische Zusammenarbeit aller freien Gewerkschaften. Das Thema Index ist und bleibt eine stetige Herausforderung für unsere Gewerkschaftsarbeit, da es ein Symbol für unsere hart erkämpften sozialen Rechte ist.
Auf europäischer Ebene sind ebenfalls keine sozialund umweltpolitische Signale zu erkennen Europa beschränkt sich auf eine budgetäre und haushaltspolitische Zusammenarbeit ohne Demokratie und Transparenz, wobei die Bürger und Bürgerinnen außen vor bleiben.
Wir wehren uns!
Die Sektion Staat des Landesverbandes ist nicht gewillt, diesem scheibchenweisen Abbau unserer sozialen Errungenschaften tatenlos zuzusehen. Deshalb informieren wir Sie wie bei der Aufklärungsversammlung vom 22. November 2010 zum Thema „Gehälterrevisioun am öffentlechen Dengscht, Chancen a Geforen“ über Ihre Rechte. Deshalb sind wir bereit, weitere Aktionen, bis hin zum Streik, mit Ihnen durchzuführen. Deshalb brauchen wir aber auch Ihre Unterstützung.
In dieser Ausgabe des Info-Staat finden Sie unter anderem unsere Positionen und Vorstellungen zur Gehälterpolitik im öffentlichen Dienst und den Reformvorschlägen der Regierung. Wir stellen Ihnen ebenfalls unser neues Logo vor und hoffen auf Ihr Interesse an unserer Arbeit. Falls Sie weitere Fragen, Anregungen, Ideen haben, kontaktieren Sie uns, wir stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung.
Fernand Schiltz,
Präsident der Sektion Staat
